karneval

Karneval an der Grenze

Montag, den 23.02.2009

Rucksäcke auf und los, zunächst zu Fuß, aber kaum waren wir auf der Straße hielt schon ein Taxi   und brachte uns zur Busstation, fünf Minuten später saßen wir im Autobus nach Chetumal, für ca. 13 Euro zu zweit 4 Stunden unterwegs, reisen ist hier wirklich sehr billig. Die Mitreisenden sind Mexikaner, die Straße immer gerade aus, rechts und links eine grüne Wand, wir kommen auch wieder durch Felipe Carillo Puerto, ein  Ort  fünfzig Kilometer von der Küste entfernt, wie sie den Zusatz „Puerto" erworben hat bleibt uns verschlossen. Eine recht lebendige Kleinstadt, viele steigen an dieser Station aus besorgen sich etwas zu essen, irgendwann steigt auch ein Händler ein, der Bananachip verkauft, die sehr lecker schmecken. Dann kommt der Busfahrer zu uns in die letzte Reihe und sagt uns, dass wir uns auf die andere Seite setzen sollen, jetzt kommt die schöne Lagune von Bacalar. Die Lagune ist sehr langegestreckt, Mangroven, Palmen, Pinien, an den Ufern, jedoch  kein Bootsverkehr. Das Wasser schimmert wie Perlmutt, blau, Türkis, Grün, Rötlich, unterschiedliche Wassertiefen Algen und Zuflüsse aus dem karstigen Untergrund bedingen ein buntes Farbenspiel, so wie eine vielschichtige Fauna und Flora. Hier sollen neben Pelikanen auch Flamingos leben, einige Resorts liegen am Ufer. Gegen 14 Uhr kommen wir nach Chetumal. Unser Quartier liegt zentral, ist sauber und mit 250 Pesos zu zweit günstig.

Als erstes sehen wir uns in der Stadt das Maya Museum an. Auf großzügig bemessenem Raum wird ein gut verständlicher Abriss der Maya Geschichte präsentiert, allerdings mit nur wenigen Original- Exponaten, das Ganze ist eher eine Lehrshow als ein Museum. Auffällig ist die immense Diskrepanz zwischen der Mayaoberschichtdie über Wissen, Macht, Kult, riesige Bauwerke und wirtschaftliche Fernbeziehungen verfügten und dem Volk, dessen Leben damals wie heute sich schlicht und gebückt über dem Acker bewegte. Eine Mittelschicht, eine breite gebildete Schicht gab es nie, die Götter wurden von den Machthabern präsentiert und repräsentiert, immer als Drohgebärde. Die gesamte erhaltene  Architektur und Kunst protzt mit hässlicher Machtentfaltung, droht mit Foltern, lässt nirgends ein Lächeln, nie eine andere Dimension als die der Unterdrückung und Drohung zu. Im Gegensatz  dazu erleben wir die Farbenpracht mit der die Monumentalbauten und Fresken bemalt waren, gehalten in Rot, Ocker und Blau.

Auf unserer Erkundungstour durch die Stadt begegnen wir nur sehr wenigen Menschen. Allerdings werden überall  kleine Imbissstände aufgebaut, zweirädrige Handkarren mit ca 0.5x1.0 Meter Fläche, Frauen schneiden Papaya, Ananas und Bananen in Streifen und sortieren sie bunt in Plastiktüten präparieren Sandwiches, während die Männer Hot Dog Stände und mit Gas befeuerte Crêpes- Stände aufbauen. Vor den fest installierten kleinen Futterbuden sitzen ältere Frauen und rupfen Hühnerfleisch mit den Fingern in kleine Fasern, al dente auch für den zahnlosen Gast. Dieses zerfaserte Fleisch, fast auf Reliette Format gebracht, wird später  mit scharfer Soße und Tortillas für ein Geringes verkauft. Wofür all diese Vorbereitungen angesichts dieser leeren Stadt gut sein sollen, erfahren wir erst später.

Unten am Meer findet sich eine solide Pier an der nur ein Boot des Küstenschutzes liegt, einige Meter weiter hat der Club Naval  seinen Steg. Dort liegen einige kleine Motorboote sowie eine havarierte Yacht, ein herunter gekommener dänischer Trimaran, der aus den frühen achtziger Jahren stammt und in Aarhus beheimatet ist, sowie eine amerikanische Ketsch, die mit Ausrüstungsgegenständen so überfrachtet ist, dass an Deck kein Quadratzentimeter mehr Platz ist. Von den Eignern ist leider niemand zu sehen, etwas von den dahinter stehenden Geschichten zu erfahren hätte uns interessiert.

Auf dem Hauptplatz am Meer ist eine große Bühne aufgebaut, wir erfahren, dass am Abend ein großer Faschingsumzug stattfinden soll. Nun den wollten wir natürlich nicht versäumen und um 19 Uhr bot die Stadt ein völlig anderes Bild. Die Menschen der Stadt hatten sich ausgeruht oder auf diese Nacht besonders vorbereitet. Vom Neugeborenen bis zur Granmere waren hier scheinbar alle Bewohner von Chetumal und Umgebung auf den Beinen, die Stimmung war heiter, alle paar Meter wurden Hot Dogs, Crêpes, Pommes Frites angeboten, Cervesa gab es in Literbecher für 30 Pesos. Alle erfreuten sich an dem Faschingsumzug, der zum Großteil von Schulen gestaltet wurde. Der Karneval von Rio stand wohl Pate für diese Veranstaltung. Aufwendig geschmückte Trucks mit Musik, dahinter hüftschwingende fantasievoll bekleidete Mädchen und Burschen aus dem Kindergarten wie von der Uni, schlank bis kugelrund. Viel  Nacktheit wird freudig präsentiert. Politische Themen werden fast gar nicht dargestellt, lediglich ein Obama-Darsteller mit Kinderwagen, Teddybären und Schnuller wird mit Gelächter begleitet; hier teilt man offensichtlich nicht die weltweite Heilserwartung an den neuen Präsidenten des nördlichen Nachbarn. Die größeren Firmen des Ortes präsentieren sich mit Karnevalswagen, die präsentablen Angestellten beiderlei Geschlechtes tanzen in aufwendigen Kostümen hinter dem Wagen die Straße entlang. Das Publikum hat Spaß, es wird viel gelacht und ein großes Hallo entsteht, wenn im Karnevalszug Freunde und Verwandte auftauchen. In einem langen Wagen, dessen Seiten vergittert sind befinden sich Karnevalsprinzen und Prinzessinnen die offensichtlich schon mehr als 50 mal diesem Fest aktiv teilgenommen haben, ob das Winken mit Grazie oder mit Parkinson erfolgt ist egal, sie und auch die Zuschauer haben  Freude dran. Die Stimmung ist locker und friedlich, der Alkoholkonsum mäßig, das mag sich im Laufe der Nacht zwar ändern, aber dann sind wir eh schon im Bett, denn morgen wird es zeitig weitergehen.

Am Montag (24.02.2009) läutet dann schon um 5 Uhr der Wecker, denn wir wollen mit dem 6 Uhr Bus nach Flores fahren. Vorerst sind wir die einzigen Gäste im Kleinbus, dann steigt noch ein Schuhputzer zu, der wie wir später sehen, dem Grenzer die Schuhe auf Hochglanz bringt. An der Grenzstation zu Belize müssen wir aussteigen und unser Gepäck über die Grenze tragen. Der fette Grenzbeamte verlangt 200 Pesos für die Ausreise, streckt dann seine Beine voll Genuss aus und lässt sich die Schuhe polieren. Die Landschaft nach der Grenze ist flach und fad, Zuckerrohrfelder bestimmen das Landschaftsbild. Mehr Passagiere steigen zu, es wird eng im Bus, Neben uns nimmt eine kanadische Familie Platz, die auch individuell reisen, Vater, Mutter zwei Söhne 13 und 21 Jahre alt, nette Leute, gerade eine wunderschöne Kanutour auf einem Fluss in Belize gemacht haben.  Belize Stadt ist sehr lebendig, viele Schwarze, die meisten Häuser sind heruntergekommen und grau, die Straßen in einem erbärmlichen Zustand das Wetter ist verhangen, und die Leute machen einen fröhlichen Eindruck. Nur unten am Hafen, der in einem Flusslauf eingebunden ist, liegen  bunte Fischerboote  mit Besegelung, die alle flache leichte Kanus an Deck mit sich führen wir denken  an das flache schlammige Wasser zwischen den Mangroven, fischreiche Gewässer, die nur in solchen Booten zu befahren sind.

Auf dem weiteren Weg nach Guatemala ändert sich die Landschaft, es wird hügelig, gepflegter Rasen scheint auch vor den kleinsten Hütten ein Muss zu sein obwohl im  sonstigen äußeren Bild nicht viel mehr an die englische Kolonialzeit erinnert. Berge tauchen am südlichen Horizont auf, die Landwirtschaft ordentlicher, die Häuser größer, ein bescheidener Reichtum ist erkennbar, wahrscheinlich dem Einfluss der Mennoniten geschuldet.  Nach der Grenze zu Guatemala, werden die  Straßenwieder schlechter, Schweine, Kinder, Kühe beleben die schmutzig schlammigen Straßen.

Nach 50 KM werden die Straßen besser, die Orte lebhafter und bunter und am Ziel in Flores finden wir eine sehr schöne alte Kleinstadt auf einer Insel, die mit dem Land durch einen Fahrdamm verbunden ist vor. Der See streckt sich 20 KM lang hin, meist flache Schilfgürtel aber auch Hügel säumen die Ufer. In der Ferne liegen Berge, landschaftlich eine Idylle. In der Umgebung gibt es viel zu sehen, nicht nur den See, sondern auch Urwald, Berge, antike Mayasiedlungen und Natur satt.

Wir finden Unterkunft in einem preiswerten Hotel, unser Zimmer hat einen kleinen Balkon mit ungestörtem Blick auf den See hinaus. Ein rundlicher junger Mann, äußerst geschäftstüchtig, hatte spitz gekriegt, dass wir am nächsten Tag nach Tikal und anschließend nach Belize wollen und kommt gleich mit den passenden Bustickets an, etwas teurer als sonst üblich, wie wir später erfahren, aber wir gehen drauf ein, das Thema ist damit vom Tisch, auch angenehm und der Typ verkauft sich auch recht sympathisch. Im Ort verkehren Motorroller-Tucktuck als Taxis, die Straßen werden gerade neu gepflastert, daher ist es etwas schlammig. Die Insel Flores ist recht dicht bebaut, in der Mitte erhebt sich ein Hügel mit der Kirche und Schule, den ganzen Ort kann man bequem in einer Stunde ablaufen. Der Ort ist ein beliebter Ausgangspunkt für Individualreisende, die hier Reiseunternehmer finden, die Touren durch die Mayasiedlungen, den Urwald, Kanufahrten etc. a bieten, manches davon wirklich anstrengend, wie die 7 tägige Dschungelwanderung mit Besichtigungen von Wasserfällen, antiken Mayatempeln  und anderen Sehenswürdigkeiten.

Wir wollen allerdings nur Tikal besuchen und danach zurück zur Küste.